Blog Familie und Co. Gastbeiträge

Die Zukunft der Energieversorgung in Deutschland

Bild: Pixabay | Pexels.com

Ein Gastbeitrag von Jörg Braun, Energieexperte           

 

Der hohe Lebensstandard in Deutschland führt zu einem hohen Energieverbrauch. Haushaltsgeräte sind zwar energieeffizienter geworden, aber dafür besitzt jeder Haushalt auch mehr davon als früher. Ähnlich ist es beim Individualverkehr. Die Motoren der Autos wurden immer energieeffizienter, die Autos selbst dafür immer größer. Das bedeutet, dass es trotz energiesparender Technik kaum Einsparungen beim Energieverbrauch in dem Zeitraum zwischen 1990 und 2020 gab.

Die benötigte Primärenergie im Jahr 2021 betrug 3.268 TWh, davon wurden 35% durch Öl (Import) gedeckt, 24% aus Gas (Import), 17% aus Erneuerbaren Energien, 10% je Stein- (Import) und Braunkohle (Rohstoff im Land vorhanden, Abbau aber problematisch), 3% Kernkraft. Die benötigte Primärenergie wird also zum größten Teil importiert, was zu Abhängigkeiten von anderen Staaten führt (siehe Beispiel Russland beim Gasimport). Energieeinsparungen gab es vor allem in der Energiewirtschaft, bei Industrie und Gebäuden, weniger beim Verkehr. Der durch den Energieverbrauch bedingte hohe CO2-Außstoß führt neben weiteren Einflussfaktoren zum Klimawandel. Maßnahme der Bundesregierung den CO2-Außstoß zu senken ist unter anderem, den Ausbau der Erneuerbaren Energien in allen Sektoren zu erhöhen. Die heutigen Ausbauziele sind ambitioniert doch bei aktueller Zubaurate werden die Ziele beim Ausbau wohl verfehlt.

Um das Stromnetz stabil zu halten, müssen Erzeugung und Verbrauch von Strom immer im Gleichgewicht sein. Ziel der Politik ist es, bis 2030 rund 40.000 MW an gesicherter Stromerzeugungskapazität aus Kohle und Kernkraft abzubauen. Inwieweit die Lücke mit Strom aus Erneuerbaren Energien gefüllt werden kann, ist unsicher. Das liegt daran, dass die Stromerzeugung aus Wind- und Sonnenenergie witterungsbedingten und jahreszeitlichen Schwankungen ausgesetzt ist und es derzeit keine Technik gibt, um Strom in großem Umfang zu speichern.

Zudem muss der Strom vom Produktionsort zum Verbraucher gebracht werden. Man benötigt dafür neue Höchstspannungsleitungen, die den in Norddeutschland aus Windenergie produzierten Strom zu den Verbrauchszentren in Süddeutschland transportieren können. Durch lange Planungsverfahren und Widerstand in der Bevölkerung hinsichtlich des Leitungsbaus, dauern Planung und Bau dieser Leitungen allerdings sehr lange – viel zu lange.

Hoffnungsträger ist für viele Anwendungsfälle der Grüne Wasserstoff, der aus Erneuerbaren Energien hergestellt wird. Aber auch hier gibt es noch viele Herausforderungen. Die Produktionskapazitäten müssen in nennenswertem Umfang ausgebaut werden. Infrastruktur für den Import von grünem Wasserstoff muss errichtet werden. Grüner Wasserstoff könnte als saisonaler Speicher in der Stromversorgung fungieren. Dabei sind jedoch die derzeit noch hohen Wirkungsgradverluste bei der Herstellung, Verdichtung, Verflüssigung, Umwandlung und Rückverstromung zu berücksichtigen.

 

Was können wir konkret jetzt und in Zukunft tun, um Energie und damit CO2 einzusparen?

Diese Maßnahmen in Individualhaushalten wären besonders wichtig: Bessere Dämmung der bestehenden Gebäude, Heizen per Wärmepumpe oder Nutzung von Abwärme, eigene PV-Anlage mit Batterie. Außerdem sollte der Verbrauch an den Zeitpunkt der Stromerzeugung durch Sonne und Wind angepasst werden.

Eine Verbesserung beim Energieverbrauch im Individualverkehr würde die Nutzung von leichten, kleinen Elektroautos mit kleiner Batterie bringen. Für die meisten Fahrten, die in Deutschland gemacht werden, würden diese vollkommen ausreichen. Bei weitergehendem bzw. ergänzenden Bedarf könnte Car-Sharing genutzt werden. Dies gilt z.B. bei längeren Fahrten oder beim Transport von Waren/Möbeln etc.

Bei Schwerlast-, Schiffs- und Flugverkehr könnte Wasserstoff als Energieträger genutzt werden. Ziel kann auch sein, Verkehr in Zukunft zu minimieren, indem die Verbraucher wieder mehr lokale Produkte nutzen und damit Transportwege reduzieren.

Möglichkeiten bei der Industrie sind Flexibilisierung der Produktion, Abwärme und -kälte nutzen sowie der Einsatz von Wasserstoff.

Fazit: Jetzt müssen wir anfangen, Energie zu sparen, um die CO2-Emissionen zu reduzieren und unsere Chance zu verbessern, unseren Energieverbrauch zukünftig regenerativ decken zu können!

 

 

Weiterführende Links:

Nachhaltigkeit bei der Geldanlage: ESG – Sustainable Finance ein Must oder ein Kann?
Nachhaltig Geld anlegen: Welche Anlageprozesse gibt es neben Ausschlusskriterien?
Nachhaltigkeitspräferenzen kennen und angeben – was hat es damit auf sich?